„Ich hatte mich gefragt, wie für mich die Gastronomie der Zukunft aussieht“ Weihnachtsdessert mit Fichte, Sanddorn und Joghurt im Sahila – The Restaurant, kreiert von Anne Kern. Fotos: Melanie Bauer, Privat

Von internationalen Wettbewerben auf den Familienhof: Anne Kern verbindet ihre Erfahrungen aus Spitzengastronomie, Patissiere, Köchenationalmannschaft und den landwirtschaftlichen Wurzeln ihrer Familie in einem eigenen Zukunftsprojekt.

Text Ivana Marasovic

Schon als Kind stand Anne Kern gerne mit ihrer Großmutter in der Küche. „Eigentlich habe ich früher schon immer gerne gekocht, viel mit der Familie, so der Klassiker mit der Oma“, erzählt sie. Dass sie später Kapitänin der deutschen Köchenationalmannschaft internationale Wettbewerbe bestreiten würde, war damals nicht abzusehen. Viele kennen sie noch unter ihrem früheren Namen Anne Kratz. Nach dem Abitur entschied sie sich gegen ein Studium der Ökotrophologie und für eine Kochausbildung im „Hyatt Regency Köln“ und sammelte anschließend Erfahrungen im In- und Ausland, unter anderem in Wien und in der Schweiz. Später vertiefte sie ihr Wissen im „Schloss Loersfeld“ in Kerpen bei Julia Komp, die zu einer wichtigen Wegbegleiterin wurde. Auch persönlich: „Privat hat sie mir dann auch vieles ermöglicht, dass man mal am Samstagabend frei haben konnte oder früher gehen konnte“, erinnert sie sich. So erhielt sie auch Freiräume für ihr Engagement in der Köchenationalmannschaft. 

Vom Teammitglied zur Kapitänin 

K11 Who Is Who Anne Kern Ika 2020 (c) Markus Wolf Fotografie
Foto: Markus Wolf Fotografie

Über den Rudolf Achenbach Preis kam sie zum VKD. Beim Finale lernte sie Jugendtrainer Michael Hummel kennen, der sie 2016 zum Probetraining einlud. Erste Einsätze folgten bei der IKA/Olympiade der Köche in Erfurt, später in Abu Dhabi und 2017 in Hongkong. „Das war tatsächlich schon ein sehr, sehr cooles Jahr“, erinnert sie sich an ihre Anfänge. Insgesamt nahm die 32-Jährige an drei Kocholympiaden teil und übernahm von 2019 bis 2024 als Kapitänin der deutschen Köchenationalmannschaft eine besondere Verantwortung. Die Wettbewerbe prägten ihre Arbeitsweise. „Auf der einen Seite jetzt natürlich viel an Vorbereitung, wirklich dieses akribische Arbeiten, sich wirklich mit einem Thema auseinandersetzen und das wurde halt von Jahr zu Jahr intensiver“, erzählt sie. Dahinter steckten Monate intensiver Vorbereitung, unzählige Rezepturen, Jurymappen und detaillierte Planungen. „Diese Akkuratesse hat man irgendwann einfach in sich“, sagt sie heute. Neben den Wettbewerben schätzte sie vor allem die Zusammenarbeit im Team. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland habe ihren fachlichen Horizont erweitert und sie auch persönlich geprägt. „Und auch was der ganze Trainerstab um Teammanager Ronny Pietzner geleistet hat, war immens. Mike Wieser und Elisabeth Albrecht haben uns jahrelang mit ihrer Zeit, Geduld und Expertise unterstützt. Ich hoffe, ich kann das irgendwann mal auch jemandem so zurückgeben.“ 

K11 Who Is Who Anne Kern Busche Gala 2024 (c) Privat
Eine erfolgreiche Zeit in der Patissiere, gekrönt von der Auszeichnung bei der Busche Gala 2024 – gemeinsam mit ihrer langjährigen Wegbegleiterin Julia Komp. Foto: Privat

Erfolgreiche Patissiere 

Beruflich führte ihr Weg sie unter anderem ins „Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa“ in der Schweiz. Zuletzt machte sie sich als Patissiere einen Namen. Für ihre Arbeit im Kölner „Sahila – The Restaurant“ wurde sie 2024 vom Schlemmer Atlas als „Patissiere des Jahres“ geehrt. Doch trotz ihrer Erfolge beschäftigte sie zunehmend ihre berufliche Zukunft. „Ich hatte mich gefragt, wie für mich die Gastronomie der Zukunft aussieht“, erzählt sie. Sich mit 40 Jahren und möglicherweise eigenen Kindern noch in einem klassischen Restaurant- oder Hotelbetrieb zu sehen, konnte sie sich nicht vorstellen. Mit Blick auf ihre Zukunft wünschte sie sich deshalb ein Modell, bei dem sich, als Frau, Arbeit und Familie besser miteinander verbinden lassen. 

Ein eigenes Modell für die Zukunft 

K11 Who Is Who Anne Kern (c) Valrhona , Julian Redondio Bueno (1)
Foto: Valrhona/Julian Redondio Bueno

Auf dem elterlichen Kahnshof in Rommerskirchen macht sich Anne Kern selbstständig und verbindet ihre gastronomische Erfahrung mit dem landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Geplant ist eine Manufaktur, die Ernteüberschüsse und sonst schwer vermarktbare Produkte verarbeitet. Gleichzeitig soll ein Ort für Veranstaltungen, Themenabende und Begegnungen entstehen. Der Kahnshof wird dafür umgebaut – ein Familienprojekt für die nächste Generation. Ihr Bruder Mathis Kratz, Bauingenieur und Maurer, übernimmt die Bauleitung. „Mein großer Bruder war schon immer einer meiner größten Supporter in allen Lebenslagen.“ Wenn es die Arbeiten auf dem Hof zulassen, ist sie weiterhin freiberuflich in anderen Küchen tätig und mittlerweile auch als Dozentin am GBZ in Koblenz. Für sie ist das kein Abschied von der Gastronomie, sondern ein neuer, eigener Weg. All ihre Erfahrungen fließen in einem Konzept zusammen. „So ist es für mich ja hoffentlich die optimale Lösung“, sagt sie. Auf dem Kahnshof arbeitet sie nun an ihrer persönlichen Antwort auf die Frage nach der Gastronomie der Zukunft.

K11 Who Is Who Anne Kern Nationalmannschaft 2022 (c) Nina Stiller, Mkn
Anne Kern erinnert sich gerne an ihre Zeit in der Mannschaft zurück. Foto: Nina Stiller, MKN

WHO IS WHO IM VKD

Seine ehrenamtlichen Mitglieder sind das Herz und zugleich der Motor des VKD. Doch wer genau steckt eigentlich dahinter? Wer ist Mitglied der VKD-Familie? Was motiviert diese Mitglieder zum Ehrenamt, welche Lebensläufe und welche Erfahrungen bringen sie mit, was beschäftigt sie? In der Serie „Who is Who im VKD“ treffen wir einige von ihnen und stellen Fragen.

 

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