Impressionen | Rudolf Achenbach Preis 2026. Foto: Transgourmet/Gregor Ott
Foodtrucks, Finalfieber und fantasievolle Menüs: Beim Rudolf Achenbach Preis 2026 kochte sich Svea Kropp aus dem Hamburger The Fontenay mit Sanddorn, Matcha und viel Präzision zum Titel „Deutschlands beste Nachwuchsköchin“. Wir blicken zurück auf ein Finale voller Emotionen, rollender Küchen und beeindruckender Nachwuchstalente.
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Text Anna Häuser Fotos Transgourmet/Gregor Ott

„Was ist das eigentlich?“ – die Frage galt dem Sanddorn, den die Black Box in Form eines Pürees preisgab. Begeisterung sah bei den sechs Kochauszubildenden im zweiten und dritten Lehrjahr zunächst anders aus. Sie standen am 21. Mai in der Frankfurter Naxoshalle im Finale des Rudolf Achenbach Preis 2026 am Herd und hatten genau sechs Stunden Zeit, um ein Vier-Gang-Menü auf Wettbewerbsniveau zu kreieren. Aus dem ungeliebten Pflichtprodukt entstanden schließlich Jus, Cremes und Sorbets. „Das funktioniert eigentlich immer“, erzählten einige Teilnehmende später bei der Siegerehrung vor rund 200 Gästen – und brachten das Publikum zum Lachen. Die Einzige, die schon zu Beginn sagte „Eigentlich mag ich Sanddorn“, war Svea Marie Kropp. Die 24-Jährige aus dem Hotel The Fontenay in Hamburg sicherte sich am Ende nicht nur den Sieg, sondern auch den Titel „Deutschlands beste Nachwuchsköchin 2026“. Kurz nach der Verkündung wirkte sie gleichermaßen stolz wie überwältigt. „Ich bin komplett überfordert“, sagte sie mit einem strahlenden Lächeln. Das „all female“-Siegertreppchen teilt sie sich mit Leonie Maier vom 1950 Bio-Fine-Dining-Restaurant in Hayingen auf Platz zwei und Shakhrizoda Bakhodirova vom Landhotel Voshövel in Schermbeck auf Platz drei.
Zwischen Matcha-Trend und Säure-Challenge
Seit mehr als 50 Jahren suchen der Verband der Köche Deutschlands und die Achenbach Delikatessen-Manufaktur mit dem traditionsreichen Wettbewerb nach den besten Nachwuchstalenten des Landes. Mehr als 70 Auszubildende hatten sich in diesem Jahr beworben, 24 traten in drei Halbfinals gegeneinander an, die besten sechs qualifizierten sich für das Finale in Frankfurt. Bereits am Vortag mussten die Teilnehmenden bei einem Theorietest und einer Warenkundeprüfung ihr Können unter Beweis stellen – dabei sorgten besonders Taube und Lollo Bionda für Unsicherheiten. Am Finaltag wartete dann die eigentliche Herausforderung: Zehn Pflichtkomponenten mussten in einem Vier-Gang-Menü verarbeitet werden. Saibling und Granatapfel waren Teil des Fingerfoods, Sanddorn, Kohlrabi und Gurke mussten in der vegetarischen Vorspeise verarbeitet werden, im Hauptgang standen Lammsattel und Sellerie im Mittelpunkt, während Rhabarber, weiße Schokolade und Matcha für das Dessert vorgegeben waren. „Mit der Auswahl der Pflichtkomponenten versuchen wir immer, etwas Trendiges aufzugreifen – in diesem Fall Matcha – und gleichzeitig eine echte Herausforderung zu schaffen“, erklärte Hans-Peter Achenbach, seit vielen Jahren Mitglied der Jury A. „Beim Sanddorn muss man aufpassen, dass die Säure nicht zu spitz wird.“ Besonders kreativ interpretierten die Nachwuchsköchinnen und -köche die vegetarische Vorspeise. Auf den Menükarten fanden sich überraschende Kombinationen und moderne Techniken – von Kohlrabi-Rolle bis Wan-Tan.
„Rollende Küchen“ als Nerventest

Nach der Enthüllung des bis dahin unbekannten Warenkorbs hatten die sechs Finalteilnehmenden 30 Minuten Zeit, ein vollständiges Menü zu entwickeln. Bei Svea Marie Kropp landeten schließlich unter anderem eine Sanddorn-Parmesan-Creme Brûlée, sous-vide-gegarter Lammrücken mit Paprikaschaum sowie Matcha-Panova mit Rhabarberkompott auf der Karte. Für einen kleinen Zungenbrecher sorgte ihr Fingerfood-Löffel: Choux au Craquelin. „Das ist eigentlich ein Windbeutel mit Knusperschicht, aber das klingt nicht so romantisch“, sagte sie lachend. Anschließend begann die Arbeit in den „rollenden Küchen“: Wie schon im Vorjahr kochte jeder Azubi in einem eigenen Foodtruck. Eine besondere Herausforderung, denn gearbeitet wurde auf engstem Raum. Auch der Weg zum Warenkorb in der Mitte der Industriehalle und damit zu den frischen Produkten von Premiumpartner Transgourmet, musste ins Timing eingeplant werden. Gleichzeitig hatte das ungewöhnliche Setup auch Vorteile, zumindest aus Sicht der Zweitplatzierten Leonie. „Ich lasse mich schnell ablenken. Dadurch, dass ich nicht sehen konnte, was die anderen kochen, konnte ich mich besser auf mich selbst konzentrieren“, erklärte sie. Mit ihrem Menü sicherte sie sich am Ende des Tages nicht nur den zweiten Platz, sondern auch den Transgourmet „Natura Better Use Award“ für besonders nachhaltiges Arbeiten.

Wer die Halle mit den Foodtrucks betrat, spürte sofort die beeindruckende Stille. „Ich bin fasziniert, wie fokussiert alle arbeiten“, sagte etwa Anne Brandes. Auch Alexander Oos war beeindruckt: „Alle wirken so, als wüssten sie genau, was sie tun.“ Beide bewerteten als Teil der Jury A das Arbeiten in der Küche. Die Jury B zeigte sich anschließend begeistert von den Ergebnissen auf den Tellern. „Großartige Leistungen – immerhin sind es noch Auszubildende“, meinte Max Herzog. Bernhard Kampmann sprach sogar von „dem perfekten Teller“ – verriet allerdings nicht, von wem dieser stammte. Und Lisa Angermann gab den Finalist:innen einen Rat mit auf den Weg: Sie sollten genauso weitermachen und „nicht zu sehr nach rechts und links schauen“, um ihre eigene kulinarische Handschrift zu finden. Jury-Observer Michael Schneider, der den Wettbewerb 2026 von Beginn an begleitet hatte, betonte, dass die kleinen Details den Unterschied machten: „Manchmal kann schon ein Vorsprung in der Theorie entscheidend sein, den muss man erst einmal rauskochen.“
Wettbewerb im Wandel
Wer den Wettbewerb über die Jahre verfolgt hat, dürfte festgestellt haben: Der Rudolf Achenbach Preis ist moderner, digitaler und jünger geworden – und auch deutlich weiblicher. Rund die Hälfte aller Halbfinalteilnehmenden waren angehende Köchinnen. Seit dem vergangenen Jahr dürfen zudem nicht nur Auszubildende im dritten, sondern auch im zweiten Ausbildungsjahr teilnehmen. Rund ein Drittel aller Teilnehmenden der Halbfinals 2026 ist im zweiten Ausbildungsjahr. „Eine absolut richtige Entscheidung“, fand Katrin Achenbach, Geschäftsführerin der Achenbach Delikatessen-Manufaktur. „Das zeigt: Mut, Talent und Neugier hängen nicht vom Ausbildungsjahr ab. Entscheidend sind Motivation, Ehrgeiz und der Wille, etwas gestalten zu wollen.“ Auch VKD-Präsidiumsmitglied Thorben Grübnau zieht ein positives Fazit. „Wenn man heute die Finalrunde verfolgt hat, konnte man wirklich stolz auf unseren Beruf sein. Was die jungen Talente hier geleistet haben – unter Zeitdruck, mit unbekanntem Warenkorb und auf engstem Raum –, war beeindruckend“, resümierte er bei der Preisverleihung. „Bei allen Teilnehmenden war diese Leidenschaft für das Handwerk spürbar und genau das braucht unsere Gastronomie. Wir als VKD sind stolz darauf, diesen Wettbewerb seit so vielen Jahren gemeinsam mit der Achenbach Delikatessen-Manufaktur auszurichten.“

Zwischen Preisen, Emotionen und Wiedersehen
Das Finale entwickelte sich zu einer Art Klassentreffen. Es gab Wiedersehen mit ehemaligen Finalisten wie Dennis Straubmüller, Aljoscha Knoblich und Moritz Range sowie mit Gastrogröße Johann Lafer. Die Mühen der Auszubildenden wurden mit hochwertigen Preisen belohnt: Der E2-„Präsentkorb“ wargefüllt mit Goodies von Friedrich Dick, iSi, AMT, Peugeot und Heinzelmann. Außerdem gab es ein AHGZ-Abo sowie Kochjacken von Kentaur. Für die Bestplatzierten kamen zusätzlich Gutscheine der Deutschen Hotelakademie und von Transgourmet sowie Preisgelder der Firma Achenbach hinzu. Was vom Wettbewerb bleibt, sind neben den Preisen vor allem Erinnerungen, die nachhallen, Teller, die beeindrucken – und Freundschaften, die bleiben. Statt Konkurrenzkampf war auch in diesem Jahr vor allem eine enge Verbundenheit zwischen den Teilnehmenden zu spüren. Man lag sich vor Freude in den Armen, gratulierte einander herzlich zum Erfolg und verabschiedete sich mit dem Versprechen: „Wir sehen uns wieder.“
Das Finalmenü 2026 von Svea Marie Kropp
Choux au Craquelin mit Saiblingstatar und Granatapfelcreme
***
Sanddorn-Parmesan-Creme Brûlée mit gepickeltem Kohlrabi
Gurkensalat und Essigkaviar***
Sous-vide gegarter Lammrücken mit Paprikaschaum
geröstetem Lauch, Selleriechutney, Sellerietortellini
Erbsenpüree und Kartoffelring***
Matcha-Panova mit Rhabarberkompott und Sud
weißes Schokoladen Espuma, Himbeer-Joghurteis
Die Finalteilnehmenden 2026
1. Platz: Svea Marie Kropp | The Fontenay, Hamburg | 3. Lehrjahr
2. Platz: Leonie Maier | 1950 Bio-Fine-Dining-Restaurant, Hayingen | 3. Lehrjahr
3. Platz: Shakhrizoda Bakhodirova | Landhotel Voshövel GmbH, Schermbeck | 2. Lehrjahr
4. Plätze:
Dennis Weinert | Traube Tonbach, Baiersbronn | 3. Lehrjahr
Isabelle Hatesuer | Gasthaus Müller, Barsinghausen/Göxe | 3. Lehrjahr
Maike Hohndorf | Dorint Hotel Frankfurt/Oberursel | 3. Lehrjahr
Die Jury 2026
Anne Brandes | Restaurant Cornelia Poletto, Hamburg
Alexander Oos | Inhaber Wein- und Tafelhaus, Trittenheim an der Mosel
Hans-Peter Achenbach | Geschäftsleitung Achenbach Delikatessen Manufaktur, Sulzbach
Lisa Angermann | Inhaberin Restaurant „Frieda“, Leipzig
Max Herzog | Senior Executive Chef Culinary Excellence Gate Gourmet GmbH Deutschland
Bernhard Kampmann | Geschäftsführer Schlichte Hof und Kampmann Catering & Event, Bielefeld
Michael Schneider | Karben
Gewinne
- Achenbach Delikatessen-Manufaktur: Preisgelder 1. Platz 1.000 Euro, 2. Platz 750 Euro, 3. Platz 500 Euro, 4. Plätze 250 Euro
- Peugeot SAVEURS DEUTSCHLAND GmbH: 6x Sachpreis rote Mühle
- Transgourmet: Siegergutschein für 1.000 Euro, 2. Platz 500 Euro, 3. Platz 350 Euro (für Großküche), Natura Better Use Award mit 500 Euro
- Heinzelmann: Chef-X für Siegerin, 5x Chef-G für alle anderen
- AHGZ: Jahres-Abo für jede/n
- AMT: 6x Pfannen
- Friedr. Dick GmbH & Co. KG: 6x personalisierte Messer
- Deutsche Hotelakademie (DHA): Stipendium im Wert von 4.000 Euro für den 1. Platz und je 2.000 euro für den 2. und 3. Platz
- Kentaur: Kochjacken Finalist:innen, Gutschein 1.-3. Platz für Kochbekleidung
- iSi: 6x Gourmet Whip Flaschen + Kapseln
Ergebnisse der Halbfinals 2026 Alle Infos zum Rudolf Achenbach Preis