„Es ist wichtig, dass man den Wissenshunger nicht verliert“ Die Köchin möchte „Talente fördern und selbst Lernende bleiben“.

Von Ratisbona in die weite Welt und zurück: Die Küchenmeisterin Elisabeth Albrecht-Radtke, Fachlehrerin und Vorstand vom Köcheclub Regensburg e. V., hat einen schillernden Werdegang hinter sich – und viele kreative Projektideen für die Zukunft.

Text Aina Keller Fotos VKD, MKN, privat, Helge Kirchberger Photography

Elisabeth Albrecht

Köchin, Hotelfachfrau und Fachlehrerin: Der Weg von Elisabeth Albrecht-Radtke in die Gastronomie beginnt in einer Bäckerei und Konditorei, genauer gesagt, im Betrieb ihrer Eltern. „Dort habe ich meine Liebe für Lebensmittel, das Handwerk und die Arbeit mit Menschen entdeckt“, sagt die heute 36-Jährige rückblickend. Es ist der Ursprung einer Laufbahn, die sie einmal um die Welt führen wird. Zunächst entscheidet sie sich für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Sorat Insel-Hotel in Regensburg und nimmt „Fachwissen, den Servicegedanken und sehr viel Spaß an der Arbeit“ aus dieser Zeit mit. Gleichzeitig lernt sie erstmals die Küche als einen Ort von „Leidenschaft und Disziplin“ kennen. Es wird eine Erfahrung, die alles verändert. Elisabeth beginnt eine zweite Ausbildung, diesmal zur Köchin: „Ich wollte mein eigenes Produkt herstellen und für den Fall einer späteren Selbstständigkeit nicht auf einen Koch angewiesen sein müssen.“ 

Koffer packen und mit anderen kochen 

Dafür zieht es die Bayerin in die Schweiz. Im Zürich Marriott Hotel erlebt sie eine Ausbildung, die sie bis heute als wegweisend beschreibt: „Teamarbeit, Wertschätzung und Führung auf Augenhöhe werden hier gelebt“, sagt sie und erinnert sich gern daran, dass sie für Bill Marriott persönlich kochen durfte. Im Nachbarland schlägt Elisabeth außerdem ein neues Kapitel auf: Wettbewerbskochen. Mit Unterstützung ihrer damaligen Küchenchefs nimmt sie am gusto, der Schweizer Meisterschaft für Kochlehrende, teil und gewinnt 2012 den „Pott“. Die Gewinnerreise nach Chile bringt sie für zwei Praktika in die Atacama-Wüste und nach Santiago. „Damals habe ich gespürt, was meine Eltern mir bereits vorgelebt hatten. Mit harter Arbeit kann man (fast) alles schaffen“, sagt sie. „Und ich habe verstanden, dass ich diesen wunderschönen Beruf auf der ganzen Welt ausüben kann.“

Neu Albrecht 2018 (c) Privat
Neu Albrecht 2018 (c) Privat

Der Sieg ist für die junge Köchin das Sprungbrett in die Schweizer Junioren-Kochnationalmannschaft. Um Trainings und Job zu vereinbaren, wechselt sie ins Victoria Jungfrau in Interlaken und gewöhnt sich sogar an den Berner Oberländer-Dialekt. Der Einsatz im Nationalteam bringt weitere Bestplatzierungen: Gold beim Salon Culinaire Mondial 2013 und der Weltmeistertitel beim Culinary World Cup 2014.  Danach wird die Welt Elisabeths Arbeitsplatz. Sie begibt sich auf eine kulinarische Reise durch Asien und Ozeanien, lernt charismatische Kolleg:innen und grandiose Küchen kennen. Sie arbeitet unter anderem in Japan, China, Indonesien, Thailand und Australien. Jeder Ort bringt neue Perspektiven. Sie erinnert sich an den Tsukiji-Fischmarkt in Tokio, an einen kleinen Tofu-Betrieb in Kyoto oder an den Blick auf die Oper von Sydney nach Feierabend. „Von dieser Zeit könnte ich ewig weiter schwärmen“, sagt sie.  

Begegnungen, die einem niemand mehr nimmt 

Zurück in Europa findet sie eine neue Herausforderung im Restaurant Ikarus im Hangar-7 in Salzburg, wo jeden Monat ein anderer Spitzenkoch aus aller Welt gastiert. Das Konzept steht für permanente Veränderung und die Möglichkeit, mit den Besten der Branche zu arbeiten. „Eine unendliche Produktevielfalt, ein Wahnsinns-Team und eine lange Liste an herausragenden Köchen, wofür ich auch sehr dankbar bin“, sind Elisabeth in Erinnerung geblieben. 

European Grand Prix 2023, Global Chefs Challenge, Rimini, Italy. Foto: VKD
European Grand Prix 2023, Global Chefs Challenge, Rimini, Italy. Foto: VKD

2018 ändert sich erneut die Richtung: Aus der Anfrage für einen Motivationsvortrag entsteht die Idee, Wissen weiterzugeben. Auf die Küchenmeisterprüfung folgen dann das Staatsexamen zur Fachlehrerin und die Anstellung in der Städtischen Berufsschule II Regensburg. Heute verbindet sie dort als Fachoberlehrerin Theorie und Praxis, fördert junge Talente und bleibt gleichzeitig selbst Lernende. „Es ist wichtig, dass man den Wissenshunger nicht verliert und auch nie davon ausgeht, dass man bereits alles weiß“, sagt sie und engagiert sich darüber als Jurorin und in den Jahren 2022 und 2023 als erfolgreiche Trainerin der deutschen Köchenationalmannschaft. Mit dem Team Germany holt sie bei der WM in Luxemburg und beim European Grand Prix in Rimini mehrere Goldmedaillen. „Engagement für andere ist elementar“, findet Elisabeth, seit 2024 zudem zweiter Vorstand vom Köcheclub Regenburg, auch wenn sie beobachtet, dass genau das zunehmend seltener wird. „Echte Communities und Berufsverbände halte ich deshalb für sehr wichtig, denn gemeinsam erreicht man immer mehr als allein.“ 

Apropos: Neben ihrer Arbeit als Lehrerin baut Elisabeth aktuell ein eigenes Küchenstudio auf als Ort für Kochkurse, Fooddesign sowie die Produktion von digitalem Content und TV-Formaten. „Ich werde mich wieder verstärkt meiner Passion und Themen wie Farm-to-Table widmen“, sagt die Mutter einer inzwischen zweijährigen Tochter und ist dankbar für die Unterstützung von Menschen an ihrer Seite. „Ein unendlicher Dank geht raus an meinen Mann, meine Familie und Freunde. Sie haben mich immer unterstützt, mich an den unmöglichsten Orten besucht und die Feiertage mit mir verlegt, um sie gemeinsam verbringen zu können.

Foto: Club der Köche Ratisbona
Engagement im Team ist ihr wichtig – im Ehrenamt und beim Wettbewerb.

WHO IS WHO IM VKD

Seine ehrenamtlichen Mitglieder sind das Herz und zugleich der Motor des VKD. Doch wer genau steckt eigentlich dahinter? Wer ist Mitglied der VKD-Familie? Was motiviert diese Mitglieder zum Ehrenamt, welche Lebensläufe und welche Erfahrungen bringen sie mit, was beschäftigt sie? In der Serie „Who is Who im VKD“ treffen wir einige von ihnen und stellen Fragen.

 

#WirsindderVerband


Nichts mehr verpassen: Der VKD-Newsletter informiert Sie stets über Neuigkeiten in der Köche-Welt.

Zur Anmeldung

Suchen Sie etwas Bestimmtes? Hier können Sie unsere Seite durchsuchen.