„Ein gutes Gericht funktioniert wie ein gutes Foto“ Ingo Hilger ist in Rheinland-Pfalz zu Hause und in zwei Berufen aktiv.

Das Kochen und das Fotografieren sind die großen Leidenschaften von VKD-Mitglied Ingo Hilger aus Neuwied. Beide Karrieren sind eng miteinander verbunden und haben einige Gemeinsamkeiten.

Text Aina Keller Fotos Petra Münster, Matthias von Laufenberg, Axel Schmitt, privat 

Ingo Hilger

Es gibt Menschen, die finden einmal im Leben „ihren“ Beruf. Und es gibt solche wie Ingo Hilger, die gleich zwei Leidenschaften miteinander verbinden. Mehr als zwei Jahrzehnte lang war der gebürtige Neuwieder als Koch, Küchenmeister und Gastronom erfolgreich tätig, bevor er 2013 die Seiten wechselte. Seitdem ist er Food- und Werbefotograf sowie Stammfotograf des VKD-Magazins KÜCHE. Zwei Berufe, zwei Perspektiven: Für Ingo Hilger gehören sie untrennbar zusammen. „Beides kann Emotionen auslösen“, sagt er. 

Der Weg in die Küche war in den 1980er-Jahren für ihn vorgezeichnet. „Eigentlich gab es bei uns nur zwei Möglichkeiten“, sagt Hilger schmunzelnd. „Du wirst Koch oder du wirst Koch.“ Aufgewachsen in einer Gastronomiefamilie in Neuwied, begann er mit 16 Jahren seine Kochausbildung in Köln, fern von zu Hause in einer großen Hotelküche, mit Veranstaltungen für Hunderte von Gästen. „Da lernst du wirklich kochen. Wenn an Karneval plötzlich 500 Leute zum Fischessen kommen, dann weißt du, was Organisation bedeutet.“ 

Handwerklich und frisch kochen 

Nach der Ausbildung folgte zunächst die Bundeswehr, für viele eine Unterbrechung, für Ingo Hilger eher eine Chance. Während seiner Dienstzeit nutzte er die Möglichkeit zur Weiterbildung, erwarb den Ausbildereignungsschein und wird diätetisch geschulter Koch. Den Küchenmeister legte er dann Anfang der 1990er-Jahre in Koblenz nach. Im Alter von 26 wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit, eröffnete gemeinsam mit seiner Frau ein kleines Bistro mit einer langen Theke. Das war mutig, aber schnell erfolgreich: „Die fünf Tische waren bald Wochen im Voraus ausgebucht und am späteren Abend trafen sich die Gäste an der Bar“, erinnert er sich. In den folgenden Jahren entwickelte er seine eigene kulinarische Handschrift weiter, erst in der Villa Hohenwald, später in der Villa Sayn. Eine Frischeküche, die regionale Produkte mit mediterranen Einflüssen verbindet, wird seine Passion: „Das kann zum Beispiel ein Bachsaibling aus dem Westerwald sein, den ich mit einem Limonenrisotto kombiniere“, erzählt der Koch, der am liebsten frisch und handwerklich kocht. „Wir hatten damals nicht einmal einen Dosenöffner in der Küche.“ 

K04 Who Is Who Ingo Hilger Foto 02
Gekonnter Blick fürs Kulinarische.

Fotografischer Blick am Herd 

Gute Bewertungen, Auszeichnungen und eine stetig wachsende Bekanntheit sind der Lohn, doch der Alltag in der Gastronomie wird immer vorhersehbarer. „Wenn du jeden Tag denselben Weg gehst, immer wieder neue Karten schreiben musst und trotzdem vieles gleich bleibt, dann kommt irgendwann der Punkt, an dem du etwas Neues ausprobieren willst“, findet der heute 58-Jährige und entdeckt die Fotografie als sein Hobby. Für den Koch würde das Motiv ja ohnehin täglich auf dem Teller liegen, findet er: „Fotografie ist ein Hobby, das man als Koch wunderbar parallel zum Hauptjob ausüben kann. Du kannst abends abschalten, Bilder bearbeiten und kreativ sein.“ 

Der entscheidende Impuls für die zweite Karriere kam dann eher zufällig. Für ein Rezeptprojekt entwickelte Ingo neue Pasteten-Variationen und fotografierte sie kurzerhand selbst für die Präsentation beim Kunden. Die Bilder überzeugten den Auftraggeber und führten zu einem Booklet mit 200.000 Exemplaren im Handel. „Da habe ich gemerkt: Vielleicht kann daraus mehr werden.“ Der Rheinland-Pfälzer investierte in Technik, besuchte Workshops, belegte Kurse an der Universität Köln und vertiefte sich in Themen wie Druckmanagement und Bildbearbeitung. Sein Anspruch war derselbe wie früher am Herd: „Wenn ich etwas mache, dann will ich es richtig machen.“ 

Im besten Fall Emotionen auslösen 

Seine Erfahrung als Koch wurde dabei zum entscheidenden Vorteil: „Viele Fotografen haben perfektes Licht, aber ich kann mit Köchinnen und Köchen über das Gericht sprechen. Ich weiß, wie sich eine Soße verhält, ob das Soufflé schnelles Handeln braucht und wann ein Teller am besten fotografiert werden muss.“ Mit dieser Mischung aus kulinarischem Verständnis und fotografischem Blick arbeitet Ingo Hilger inzwischen für Magazine, Unternehmen und Verlage. Mehrere Koch- und Backbücher tragen seine fotografische Handschrift, einige davon wurden Bestseller, zum Beispiel die „Brotbibel“ von und mit Johann Lafer. Die ursprüngliche Freude an beiden Berufen hat er nie verloren. „Ein gutes Foto funktioniert für mich wie ein gutes Gericht“, sagt der Küchenmeister. „Wenn du einen Teller servierst, schauen die Gäste erst einmal hin. Vielleicht sagen sie sogar: Das ist ja zu schön zum Essen. So sollte auch ein Bild wirken, finde ich, es soll Emotionen auslösen.“ 

K04 Who Is Who Ingo Hilger Foto
Ingos Bilder schmücken die Brot Bibel.

Mit keinem anderen Beruf vergleichbar 

Ganz losgelassen hat ihn die Küche nie. Regelmäßig steht das VKD-Mitglied noch am Herd, etwa bei privaten Dinner-Events oder besonderen Anlässen: „Wenn Gäste am Ende glücklich sind, ist das ein tolles Gefühl. Das kann man mit keinem anderen Beruf vergleichen.“ Mit dieser Begeisterung hat er Anfang 2025 wieder ein berufliches Neuland für sich entdeckt: Als Eventmanager im Marketing-Team der Hack AG kommt ihm die Erfahrung beider Berufe zugute. Ruhestand ist für Ingo Hilger offensichtlich kein Thema. „Viele in meinem Alter sprechen davon, wann sie endlich aufhören können. Ich habe darüber ehrlich gesagt noch nie nachgedacht. Solange ich weiterhin jeden Tag Dinge tue, die mir Spaß machen warum sollte ich aufhören?“. 

Namhafte Kollegen vor der Linse und immer mittendrin: Ingo bei der Arbeit.
Namhafte Kollegen vor der Linse und immer mittendrin: Ingo bei der Arbeit.

WHO IS WHO IM VKD

Seine ehrenamtlichen Mitglieder sind das Herz und zugleich der Motor des VKD. Doch wer genau steckt eigentlich dahinter? Wer ist Mitglied der VKD-Familie? Was motiviert diese Mitglieder zum Ehrenamt, welche Lebensläufe und welche Erfahrungen bringen sie mit, was beschäftigt sie? In der Serie „Who is Who im VKD“ treffen wir einige von ihnen und stellen Fragen.

 

#WirsindderVerband


Nichts mehr verpassen: Der VKD-Newsletter informiert Sie stets über Neuigkeiten in der Köche-Welt.

Zur Anmeldung

Suchen Sie etwas Bestimmtes? Hier können Sie unsere Seite durchsuchen.