Alles Ingwer, oder was? Ein heißer Ingwertee wärmt, tonisiert und stützt das Immunsystem. Foto: Pexels + Mitglieder erfahren mehr

Ingwer ist die Heilpflanze des Jahres 2018. Was die knubbelige Knolle kann, wie sie in der Küche eingesetzt wird erklärt Ernährungsberater Siegfried Wintgen. Rezepte gibt’s im Mitgliederbereich.

Von Andrea Schorradt

Verdauungsfördernd, entzündungshemmend, immunsystemstärkend – man sagt Ingwer eine ganze Reihe gesundheitsfördernder Wirkungen nach. Die Wurzel mit dem unverkennbaren Geschmack ist heute kaum mehr wegzudenken aus den Küchen. Längst gibt es wissenschaftliche Studien, die die Wirkungsweisen von Ingwer belegen. Nachweislich kann er Brechreiz und Erbrechen lindern, daher wird er gern bei Reisekrankheit eingesetzt. Außerdem regt Ingwer die Verdauung an und fördert die Sekretion von Speichel, Magensaft und Galle. Dies kann das Völlegefühl nach einem üppigen Essen verhindern. Weitere zahlreiche Wirkungen (schmerzlindernd, krampflösend, tumorhemmend, virushemmend, etc.) werden derzeit noch diskutiert.

Im Gegensatz zum Gänseblümchen – das 2017 den Titel der Heilpflanze des Jahres trug – wird Ingwer aber nicht nur wegen seiner Wirkungsweisen, sondern auch wegen seines unverkennbaren Geschmacks geschätzt. Zitronig-scharf, etwas holzig, würzig. Das passt gut zu herzhaften Gerichten (Fleisch, Fisch, Gemüse), aber auch zu Süßspeisen oder Gebäck. Je nach Menge und Zubereitung lässt sich die besondere Ingwernote mehr oder weniger deutlich herausschmecken. „Für den Geschmack sind die enthaltenen ätherischen Öle, also Zingiberen, ar-Curcumen und ß-Bisabolon, verantwortlich“, erklärt Siegfried Wintgen, VKD-Mitglied und Ernährungsberater und Gesundheitswissenschaftler aus Österreich. „Außerdem enthält Ingwer Scharfstoffe, genau genommen Gingerole sowie bei Lagerung daraus entstehende Shogaole. Sie sind für das wärmende Gefühl verantwortlich, das sich beim Verzehr von Ingwer einstellt.“

Die Verwendungsmöglichkeiten sind vielseitig, von herzhaft bis süß ist fast alles denkbar. „Als Würzmittel kann Ingwer sowohl frisch als auch getrocknet und gemahlen eingesetzt werden“, sagt Siegfried Wintgen. Dabei lohnt es sich, verschiedene Sorten zu probieren. Je nach Herkunft sind Geschmack und Schärfe unterschiedlich deutlich ausgeprägt. Vor allem in der asiatischen Küche wird Ingwer vielseitig genutzt. Süß-sauer eingelegt (Gari) wird er gern zu Sushi gereicht, mit Perillablättern eingelegt (Beni Shoga) wird Ingwer zur schmackhaften Beilage und eingelegte Ingwertriebe (Hajikami Shoga) sind ebenfalls sehr beliebt. In Indien ist Ingwer in vielen Soßen enthalten und fester Bestandteil von Currys und in Nordafrika werden die klassischen Tajine mit Ingwer gewürzt. Auch in England gehört Ingwer zum festen Bestandteil der traditionellen Küche. Ginger Ale oder Ginger Bread erfreuen sich großer Beliebtheit. Kandierter und/oder schokolierter Ingwer hat ebenfalls treue Anhänger.


Ingwer-Rezepte:

Quarte Epices (Frankreich) für Wurst, Fleischgerichte, Schinken, Schweinefleischgerichte
Marinade für feste Fische wie Schwertfisch, Zander
Karotten- Ingwerschaumsuppe, pikante Gemüse- Frühlingsrolle
Topfenroulade mit Portwein- Ingwerbirnebirne
Birnen- Ingwerstrudel mit Kardamomschaum
Ingwer-Zitronentee

Alle Rezepte finden Sie im Mitgliederbereich.


Hintergrund:

Die Wirkungsweise von Ingwer ist bereits seit Jahrhunderten, zum Teil sogar schon seit Jahrtausenden bekannt. Sein Weg in die europäische Naturheilkunde begann durchaus früh. Auf dem europäischen Speiseplan konnte Ingwer sich aber erst im letzten Jahrhundert etablieren. Asien ist das traditionelle Anbaugebiet des Ingwers. Dort soll beispielsweise Konfuzius die Wurzel und ihre Wirkungsweisen sehr geschätzt haben. Auch in Europa gibt es vereinzelte, frühe Hinweise auf die Verwendung von Ingwer. So wurde im 1. Jahrhundert nach Christus vom griechischen Arzt Dioskurides beschrieben, dass Ingwer eine verdauungsfördernde Kraft besitze. Hildegard von Bingen erwähnt Ingwer in ihrem mittelalterlichen Kräuterbuch, und Paracelsus kannte im 16. Jahrhundert sowohl die innerliche (Fieber, Allheilmittel) als auch die äußerliche Verwendung (als Pflaster bei Brüchen und stumpfen Verletzungen) von Ingwer.


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