Nicht mit der Hoffnung junger Menschen spielen Motiviert, neugierig, passioniert: Nachwuchskräfte beim Jugendcamp 2025. Foto: VKD-Landesverband Mitteldeutschland

„Wenn wir Fachkräfte nach Deutschland holen, dann tragen wir Verantwortung.“ Entrée von Thomas Wolffgang, Vorsitzender des VKD-Landesverbands Mitteldeutschland, KÜCHE-Ausgabe Juli 2026.

Foto: André Dalla Valle
Foto: André Dalla Valle

Als Berufsschullehrer, IHK-Prüfer und durch den engen Austausch mit Arbeitgebern kenne ich die Kochausbildung aus vielen Perspektiven. Dadurch sehe ich nicht nur die Erfolgsgeschichten, sondern auch die Fälle, bei denen etwas grundlegend schiefläuft. Ich wünsche mir eine deutlich engere Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen, Ausbildungsbetrieben und den Industrie- und Handelskammern, gerade wenn es um junge Menschen geht, die für eine Ausbildung nach Deutschland kommen. Wer sein Heimatland verlässt und oft erhebliche finanzielle Mittel investiert, vertraut darauf, dass wir ihm eine Perspektive bieten. Offiziell werden Sprachkenntnisse auf B1-Niveau vorausgesetzt. In der Praxis erleben wir jedoch immer wieder Auszubildende, die dieses Niveau gar nicht mitbringen. Während etwa der Dehoga bei der Auswahl häufig genauer hinschaut, gibt es auch kommerzielle Vermittler, die weniger sorgfältig arbeiten – und Betriebe, die mit der Ausbildung völlig überfordert sind oder die Situation sogar gezielt ausnutzen.  

Die Leidtragenden sind die jungen Menschen selbst. Bestehen sie die Prüfung nicht und müssen im schlimmsten Fall wieder ausreisen, ist niemandem geholfen – weder den Betrieben, die händeringend Fachkräfte suchen, noch dem deutschen Ausbildungssystem und schon gar nicht den Auszubildenden. Das ist nicht nachhaltig. Ich habe in Prüfungssituationen emotionale Momente erlebt, die ich so schnell nicht vergessen werde. Mit den Hoffnungen dieser Menschen dürfen wir nicht spielen. Deshalb braucht es einen Weckruf. Der Gesetzgeber sollte die Anforderungen an die Auswahl und Begleitung von Ausbildungsbetrieben erhöhen. Die IHKs sollten ihre Ausbildungsberater noch stärker nutzen, um Betriebe zu schulen und regelmäßig zu überprüfen. Verbindliche Sprachkurse mit einer tatsächlichen Sprachprüfung sollten selbstverständlich sein. Dabei möchte ich ausdrücklich betonen: Wir brauchen diese Auszubildenden. Es gibt viele positive Beispiele, die unsere Betriebe bereichern. Aber die traurigen Schicksale dürfen wir nicht einfach als Kollateralschaden hinnehmen. Wenn wir Fachkräfte nach Deutschland holen, dann tragen wir Verantwortung. Genau daran müssen wir arbeiten.


Dieses „Entrée“ ist Teil der Ausgabe Juli 2026 von KÜCHE. Das ganze Magazin können VKD-Mitglieder hier online lesen.


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