Vom Ausflugslokal zur „Ausgezeichneten GenussKüche“: Thomas Strunk leitet die Küche im Heimathenhof
Wild, klassisch, innovativ – und vorzugsweise aus einem Umkreis von 25 Kilometern. Das ist das Credo von Thomas Strunk, Küchenchef im Landhotel Heimathenhof im Spessart.
Text Aina Keller Fotos Roger Rottland – horeca Marketing

Das Jahr 2026 ging gut los für das Landhotel Heimathenhof in Heimbuchenthal. So gut, dass sich das familiengeführte Unternehmen erstmals keine Betriebsferien in den Kalender schrieb. Während draußen Teich und der weite Blick ins Mittelgebirge die Gäste begeistern, geht es in Küche und Restaurant um Substanz und Herkunft. Verantwortlich dafür ist Thomas Strunk, seit fast sieben Jahren Küchenchef des Hauses. Mit ihm entwickelte sich die Küche weiter, weg vom klassischen Ausflugslokal, hin zu einem Restaurant mit klarer Handschrift.
Vom Sous-Chef zum eigenen Stil
Der Weg in den Heimathenhof war für Thomas Strunk kein strategisch geplanter Karriereschritt, sondern eher eine Mischung aus Neuanfang und Bauchgefühl. Nach vielen Jahren als Sous-Chef – prägend war vor allem die Zeit im Seehotel Niedernberg bei Joachim Elflein – stand für ihn 2019 ein Umbruch an. Gastronomische Veränderungen machten eine Neuorientierung nötig. „Ich bin damals eher zufällig über den Berg gefahren und wusste gar nicht, dass es solche Objekte hier überhaupt gibt“, erinnert sich der 42-Jährige. Was er fand, war ein Haus mit Geschichte und Charakter. Besonders beeindruckend fand er die Mischung aus Fachwerk, eigenem Wildgehege und Spessartlage: „Da hatte ich ehrlich gesagt ein bisschen Gänsehaut.“ Der Heimathenhof existiert in dieser Form seit 2001, das Landhotel wurde über Jahre hinweg von der Familie Schwab aufgebaut und nach der ersten Corona-Welle vollständig von Geschäftsführer und Inhaber Jürgen Schwab übernommen.
Ein Credo, das gelebt wird
„Wild, klassisch und innovativ“: So lautet das kulinarische Credo des Hauses, keine Marketing-Floskel, sondern vielmehr ein Arbeitsprinzip. Wildgerichte haben ihren festen Platz auf der Karte, ob in Vorspeisen oder in Hauptgängen, und die Zusammenarbeit mit regionalen Jägern im Spessart ist gut. Thomas Strunks Küche definiert sich aber nicht allein über Produkte, sondern vor allem über Handwerk. Hier werden Fonds klassisch angesetzt, Brühen gekocht und Consommés geklärt. Die Basis ist solide und darauf wird zeitgemäß aufgebaut, vom Sous-vide bis Rückwärtsgaren. „Ich führe eine Küche, in der eine Soße noch richtig angesetzt wird“, sagt der Küchenmeister. „Das ist die Grundlage von allen Kreationen, die wir dann mit modernen Garmethoden und Ideen rund machen.“
Nicht weiter weg als 25 Kilometer

Ein zentrales Element der Küche ist das Konzept der „25-Kilometer“. Rund 75 bis 80 Prozent der eingesetzten Produkte stammen aus einem Radius von maximal 25 Kilometern. Das gilt für Milch, Butter, Mehl, Gemüse, Fisch und Fleisch – bis hin zu ganzen Tieren, die im eigenen Kühlhaus gereift werden. Während der Corona-Zeit entstand sogar ein eigenes Reifekühlhaus, ursprünglich gedacht als pragmatische Lösung, heute ein wichtiger Bestandteil der Produktveredelung. Dry Aging gehört mittlerweile selbstverständlich dazu. „Das Schwierige ist nicht die Qualität, sondern die Infrastruktur, die Produzenten zu finden, die Logistik aufzubauen“, sagt der gebürtige Schlesier, der in Niederbayern aufwuchs. „Aber wenn das steht, dann funktioniert es.“ Ein klassisches Signature Dish sucht man auf der Karte vergeblich – bewusst. „Die 25-Kilometer-Marke ist unser Signature Dish“, so Thomas Strunk. Eine Haltung, die sich auch bei Getränken, Bierauswahl und Kooperationen mit regionalen Betrieben fortsetzt.
Ausbildung, Team und Verantwortung
Der Heimathenhof bildet Köchinnen und Köche aus, aktuell arbeiten 13 Personen bei Thomas Strunk in der Küche. Ausbildung versteht der Küchenchef dabei nicht als Pflicht, sondern als Investition. Spannend: Gerade hat eine Kochauszubildende mit vorheriger Metzgerausbildung im Haus angefangen, ein echter „Glücksfall“. „Die Bedingungen sind top und die Kollegin bringt optimale Voraussetzungen und schon viel Erfahrung mit. Jetzt kümmern wir uns um das Fachliche.“ Der Betrieb war in der Vergangenheit bereits als VKD-qualifizierter Ausbildungsbetrieb eingetragen, die Nachzertifizierung soll in Kürze wieder aufgenommen werden. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, insbesondere im VKD, ist für Strunk essenziell: „Wenn dieser Austausch wegbricht, sitzt man irgendwann allein auf dem Berg und verliert den Blick fürs Wesentliche.“
„Ausgezeichnete GenussKüche“ – mit Siegel

Im September 2025 wurde der Heimathenhof mit der Auszeichnung „Ausgezeichnete GenussKüche“ prämiert und erreichte auf Anhieb die höchste Klassifizierung mit drei Rauten. Ein Erfolg, der intern mit enormem Prüfaufwand verbunden war. Was mit dem Einreichen der Speisekarte begann, entwickelte sich zu einem mehrstufigen Audit: Lieferscheine über Jahre hinweg, Rückfragen bei Lieferanten, unangekündigte Verkostungen, detaillierte Kontrollen von Lagern, Kühlhäusern und Mise-en-Place. „Das war wie ein echtes Auditing“, sagt Thomas Strunk. „Die wussten genau, wo sie hinschauen müssen.“ Das Ergebnis der Mühen waren eine volle Punktzahl bei der Kontrolle und eine Auszeichnung, die drei Jahre gültig ist. Bemerkenswert und gut für den Teamspirit: Zum Zeitpunkt der Prüfung war Thomas Strunk im Urlaub. Sein Sous-Chef Christian Sauerwein übernahm die Verantwortung und bewies damit sowohl fachliche Qualität als auch Teamstärke.
Der Heimathenhof ist ein gefragtes Haus: 45 Zimmer, starke Auslastung, wachsendes Tagungsgeschäft, ein Restaurant mit klarer Positionierung und viele Highlights für Genuss- und Erholungssuchende. Ruhetage gibt es derzeit keine. Und Thomas Strunk? Der Koch ist angekommen. Beruflich wie persönlich. „Ich habe zu meinem Chef ein sehr gutes Verhältnis“, sagt er. „Wir können gesund miteinander diskutieren und Dinge weiterentwickeln. Das fühlt sich gut an und so macht das Arbeiten Spaß.“ Fun Fact: Der Hotelname stammt vom altertümlichen Wort für Heu machen – heimathen. Das Wortspiel mit den Heimatgefühlen wiederum scheint hervorragend zum Gesamtkonzept zu passen.

WHO IS WHO IM VKD
Seine ehrenamtlichen Mitglieder sind das Herz und zugleich der Motor des VKD. Doch wer genau steckt eigentlich dahinter? Wer ist Mitglied der VKD-Familie? Was motiviert diese Mitglieder zum Ehrenamt, welche Lebensläufe und welche Erfahrungen bringen sie mit, was beschäftigt sie? In der Serie „Who is Who im VKD“ treffen wir einige von ihnen und stellen Fragen.