In seinem Element: Klaus Böhler an seinem langjährigen Arbeitsplatz im Sheraton Frankfurt Airport Hotel.
Kochen macht ihn glücklich: VKD-Mitglied Klaus Böhler hat sich einmal um die Welt gekocht und war drei Jahrzehnte lang das „kulinarische Gesicht“ des größten Flughafenhotels Europas.
Text Aina Keller Fotos Sheraton Hotels, privat, VKD/Hilger

„Ein wichtiges und prägendes Jahr im Beruf war 1970, als ich in meinem Ausbildungsbetrieb als Hotelpage anfing. Damals war das Jahr vor der Ausbildung noch Pflicht“, erzählt Klaus Böhler und erinnert sich gern zurück an seine Kochlehre im Hotel Der Europäische Hof in Heidelberg. „Geschadet hat es mir nicht und auch in den drei Jahren danach habe ich bis zum Schluss jeden Tag etwas dazu gelernt.“ Auf dieser Basis konnte die berufliche Reise starten, unter anderem mit der MS Europa einmal um die Welt und zum Küchenmeisterlehrgang in der Hotelfachschule Heidelberg. Mitte der Siebziger folgte er dem Ruf der Sheraton Hotels, erst in Stockholm, später in Teheran. Insgesamt 45 Jahre lang war Klaus Böhler für den internationalen Hotelkonzern tätig, davon knapp 30 Jahre als Küchendirektor im Sheraton Frankfurt Airport Hotel & Conference Center. „Das war eine Zeit der ständigen Weiterentwicklung. Es wurde erweitert, umgebaut und neue Konzepte erstellt. “ Das mit 1010 Zimmer größte Flughafenhotel Europas hat mehrere Restaurants, ein Congress Center sowie rund 60 Veranstaltungsräume.
Ein Herz für Kochtalente

„In den besten Zeiten waren wir 70 festangestellte Köchinnen und Köche, davon meist fünf Azubis pro Lehrjahr“, sagt der gebürtige Heidelberger. „Das Schönste an meiner Arbeit war immer das Team, das ich um mich hatte.“ Junge Menschen in den Kochberuf zu begleiten, hatte sich der engagierte Küchenmeister schon früh auf die Fahnen geschrieben. Er war unter anderem „Top-Ausbilder des Jahres“ und jahrelang Gastgeber für das jährliche Finale des Rudolf Achenbach Preis. Zur Stellenbeschreibung im Sheraton gehörten auch diverse Auslandseinsätze: „Ich erinnere mich gut an eine Einladung ins Highgrove House in Cornwall, dem damaligen Landsitz von Prinz Charles, um alternative Aufzucht- und Haltungsmöglichkeiten von Rindern kennenzulernen. Wir bekamen personalisierte Gummistiefel, sprachen mit ihm über ökologischen Landbau und beendeten den Besuch mit einem grandiosen Galadiner.“ Klaus Böhler lernte außerdem Paul Bocuse kennen – „wir Köche haben es ihm zu verdanken, dass die Köche im Restaurant einen persönlichen und sichtbaren Kontakt zum Gast aufbauen können.“ – , er organisierte Veranstaltungen mit 5.000 Gästen in den USA und lud sich immer wieder Sterne- und Gastköche ein ins Restaurant „Papillon“, unter anderem Harald Wohlfahrt, Emil Jung aus Straßburg oder Jörg Müller von der Nordseeinsel Sylt.
Der Beruf öffnet Türen

Als Fan der Grand Hotellerie geht ihm bis heute das Herz auf, wenn er in großen Küchen die straffe Organisation und Postenstruktur erleben darf: „Dort kann man sehr viel mitnehmen und lernen“, findet der 71-Jährige. „Überhaupt geht es in unserem Beruf doch ganz oft um Begegnungen mit anderen und um Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen, denen man oftmals ein Leben lang verbunden bleibt. Diese Verbindungen sind aus meiner Sicht in den kurzlebigen Zeiten wichtiger denn je.“ 2018 verließ das „kulinarische Gesicht des Sheraton Frankfurt“ das Unternehmen, seitdem sieht sich Klaus Böhler am liebsten „nur noch als Gast“, bleibt aber ganz nah dran an der Küche. Bei der Chaîne des Rôtisseurs ist er als Conseiller Gastronomique d´Allemagne aktiv und hat unter anderem den Wettbewerb „Concours des Jeunes Chefs Rôtisseurs“ im Blick. Mit Dennis Schneider, der für Deutschland im Finale antritt, stand Klaus Böhler erst vor wenigen Monaten auf Einladung des VKD auf der Laurentius-Bühne. So viel zum Thema Verbindungen unter Kolleginnen und Kollegen, die sich in der kulinarischen Welt immer wieder begegnen.

Verbände, Vereinigungen, Verbindungen
Seit mehr als 45 Jahren Mitglied im Verband der Köche Deutschlands, ist der Träger der VKD-Goldmedaille nicht nur in Frankfurt und Umgebung ein „Urgestein“ der Kochbranche. Bei großen Wettbewerben hat Klaus Böhler als Aussteller mehrfach Edelmetall erkocht und erinnert sich mit einem Lachen an die Techniken: „Um akkurat anzurichten, haben wir damals Fotos von unseren Kreationen auf Dias abgezogen und mithilfe eines Overhead-Projektors auf die Teller projiziert. So hatte immer alles seinen akkuraten Platz, Hummerschwanz, Spargel und Nocke.“ Seine Wettbewerbs-Erfahrungen halfen ihm auch bei der späteren Juryarbeit: Bei drei Ausgaben der IKA/Olympiade der Köche war Böhler Jury-Obmann, erst für Regional-, später für Nationalteams, immer zugewandt und konstruktiv-kritisch. „Als mir bewusst wurde, dass ich im Alter zunehmend einen anderen Blick auf die Dinge hatte, habe ich das Jurieren an Jüngere abgegeben“, sagt der Wahlhesse. Am Ball bleiben, aber nicht an der Position kleben, aufrecht rausgehen und Dinge rechtzeitig zum Abschluss bringen: Das war Klaus Böhler immer wichtig.
WHO IS WHO IM VKD
Seine ehrenamtlichen Mitglieder sind das Herz und zugleich der Motor des VKD. Doch wer genau steckt eigentlich dahinter? Wer ist Mitglied der VKD-Familie? Was motiviert diese Mitglieder zum Ehrenamt, welche Lebensläufe und welche Erfahrungen bringen sie mit, was beschäftigt sie? In der Serie „Who is Who im VKD“ treffen wir einige von ihnen und stellen Fragen.