Berufsschullehrer tauschen sich aus VKD-Ausbildungsexperte Heiko Becker spricht bei der Berufsschullehrerkonferenz 2019 über die Neuordnung des Ausbildungsberufs Koch/Köchin. Foto: VKD

Die Neuordnung der Berufsausbildung, sinnvolle Ernährung und die Digitalisierung in Berufsschulen waren Themen bei der VKD-Berufsschullehrerkonferenz.

Oft fehlen Basiskenntnisse über Ernährung. Zum Beispiel dass Fruchtzucker derjenige ist, den der Körper am schnellsten in Fett umwandelt. Oder durch welche Garmethoden Nährstoffe in Lebensmitteln überhaupt erst zugänglich werden für den Körper. Und auch, dass der Stoffwechsel ab einem Alter von 42 nun einmal herunter fährt und entweder Ernährung und Bewegung angepasst werden müssen, sofern man nicht seinen Kleiderschrank auf zwei Größen größer umstellen möchte. Dies erläuterte Siegfried Wintgen, VKD-Ernährungsexperte und Gesundheitswissenschaftler während der VKD-Berufsschullehrerkonferenz am Montag in Nürnberg. Rund 50 Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Deutschland waren zu der Veranstaltung gekommen, um sich über aktuelle Trends zu informieren.

Den Tag begonnen hatte Heiko Becker, der als einer von zwei VKD-Vertretern einer Expertenkommision zur Neuordnung des Ausbildungsberufs Koch/Köchin angehört. Der Team-Manager bei L&D berichtete über den aktuellen Stand Dinge. Die Berufsschullehrer sehen die Herausforderung insbesondere in der Ausbildung von Migranten. Es seien viele dabei, die in der Praxis durchaus gute Leistungen erbringen. Problematisch sei jedoch, dass viele die deutsche Sprache nicht gut genug beherrschten, um Abschlussprüfungen erfolgreich zu absolvieren. Die Einführung einer zweijährigen Ausbildung zur „Fachkraft Küche“ schaffe hier keine Abhilfe. Azubis sollten die Möglichkeit bekommen, während der Arbeitszeit Sprachkurse zu machen, empfanden die einen. Ob dies tatsächlich Aufgabe des Betriebs sei, stellten andere Lehrer jedoch in Frage. Klar wurde jedoch: So schnell wird eine neue Ausbildungsordnung nicht umgesetzt.

Positionspapier des VKD zur
Neuordnung des Ausbildungsberufs Koch/Köchin
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Das wurde auch Lehrerin Theresia Maier bewusst, die an der Berufsschule Donauwörth unterrichtet. „Das System ist schon sehr träge, bis neue Ordnungen durch sind”, sagte sie. Sie nutzte die Berufsschullehrerkonferenz nicht nur zum Austausch mit Kollegen, sondern auch für einen Besuch der Hoga, Messe für Hotellerie, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung, die ebenfalls auf dem Nürnberger Messegelände stattfand.

Berufsschullehrer vernetzen sich
Markus Wolf, Lehrer an der Bergius Schule in Frankfurt, war bereits im Zug ganz zufällig auf zwei Berufskollegen aus Karben gestoßen. „Wir sind räumlich so nah beieinander und möchten nun eine Kooperation anstreben. Das ist doch viel sinnvoller, wenn wir voneinander profitieren können“, sagte er. Ihn interessierte vor allem das Thema Digitalisierung, über das Referenten Benno Buir, Verlagslektor bei Verlag Europa-Lehrmittel, der den Jungen Koch auflegt.

„In der Vergangenheit war die Nachfrage nach digitalem Lehrmaterial nicht so groß“, stellte er fest. Ob die Lehrer solchem Material gegenüber offen seien und ob die Schulen überhaupt dafür ausgestattet seien, wollte er deshalb von der Runde wissen. „Her damit“, lautete hier die einheitliche Meinung – zumindest sofern die digitalen Angebote so gut umgesetzt sind, dass sie Lehrern und Schülern den Arbeitsalltag erleichtern.

In der Neuauflage des Jungen Koch zeige bereits jetzt ein Digital-Plus-Logo an, dass online weiteres Material enthalten ist. Daran arbeitet der Verlag derzeit. Genauo wie an einem digitalen Klassenzimmer und an einer App fürs Smartphone. „ Schüler lernen in der Straßenbahn – nicht mit einem Buch sondern einer App. Das ist zeitgemäß“, erläuterte Buir.

Lehrer setzen auf Digitalisierung
Wenngleich die Lehrer der Digitalisierung offen gegenüber stehen, sehen sie hier Hürden. In den Schulen müsse sichergestellt werden, dass Tablet-PCs nicht geklaut würden, sofern die Schule sie zur Verfügung stellt. Der eine oder andere geht bereits dazu über, dass Schüler ihre eigenen Mobilgeräte nutzen dürfen. Aber: Nicht jeder Schüler habe die finanziellen Mittel, um entsprechend ausgestattet zu sein.

Bereits heute bestehe die Möglichkeit, dass Lehrer „Der junge Koch/die junge Köchin“ als digitales Buch an die Wand projizieren – samt ihren eigenen Anmerkungen. Und auch das eine oder andere digitale Lernangebot (der „Prüfungsdoc“) sei bereits vorhanden. Die geplante zentrale Lernplattform soll in ein bis eineinhalb Jahren fertig sein. Die Anregung einer Lehrerin, das Lehrmaterial in einfacher Sprache und mit unterstützenden Piktogrammen anzureichern nahm Buir dankend auf.

Ernährungsexperte Siegfried Wintgen plädierte dafür, dass sich Berufsschüler noch stärker mit der Wirkung von Lebensmitteln auseinander setzen. Das fange schon damit an, darüber nachzudenken, warum wir überhaupt Nahrung zu uns nehmen: „Früher ging es darum, dass wir Fähig sind, Nachwuchs zu zeugen. Heute wollen wir funktionstüchtig alt werden.“ Unter anderem Stress und zu wenig Schlaf hätten einen negativen Einfluss auf unser Wohlbefinden. „Wir leben nicht artgerecht – sitzend, oft einseitig belastet“. Zudem sei die Intuition verloren gegangen, zu wissen, wie viel Energie unser Körper braucht und wie wir sie ihm zuführen. Hier sieht er klar Köche in der Rolle der Ernährungsexperten.


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