Zu Gast bei Gauchos & Porteños Während ihres Praktikums im Restaurant "La Huella" in Uruguay bereitete Magdalena Koch vor allem Meerestiere zu - zum Beispiel Tintenfisch. Foto: Privat

Auch wenn Argentinien und Uruguay bekannt sind für ihr Rindfleisch, haben die beiden Länder kulinarisch noch weitaus mehr zu bieten.

Von Magdalena Koch

Denkt man an die beiden Länder Argentinien und Uruguay dann stellt man sich wohl zuerst ein saftiges Rindsteak vor. Die Tiere sind tatsächlich prägend für die Landschaft, und im Falle von Uruguay existieren sogar dreimal so viele Rinder wie Einwohner (ca. 3,3 Millionen). Jedes Dorf hat mindestens zwei sogenannte Parrillas, typische Grillrestaurants, in denen Köche die Fleischstücke auf Holz(-kohle) zubereiten. Neben klassischen Fleischschnitten, mit und ohne Knochen, diversen Würsten (Chorizo, Blutwurst) kommen vor allem auch viele Innereien wie Leber, Zunge, Pansen, Bries und Darm auf den Grill. Dazu gereicht wird eine Sauce namens Chimichurri, die aus verschiedenen Kräutern und Öl besteht oder die Salsa Criolla, eine Art Minisalat aus Zwiebeln, Tomaten und Paprika. Die Beilagen zum Asado spielen dabei reine Nebensache. Im Süden von Argentinien bereiten Köche auch ganze Lämmer am Stück auf besonderen Vorrichtungen zu. Doch natürlich haben die Küchen beider Länder weitaus mehr zu bieten als nur Fleisch.

 

Italienische Einflüsse und Meeresgerichte

Aufgrund der zahlreichen italienischen Einwanderer finden Reisende in Argentinien an fast jeder Ecke ein Restaurant, das Pizza und Pasta anbietet. Etwas anderes ist die Fugazza, Pizzaboden nur mit Käse, Zwiebeln und Oregano belegt. Ähnlich seltsam die uruguayische Faina, eine Art runde Pizza aus Kircherbsenmehl. Reist man in den Norden wird es mehr andino, sprich es gibt verschiedene Eintöpfe wie z. B. den berühmten Locro mit Kürbis, Mais, Kartoffeln und Innereien. Dort kann man auch Lama probieren – ebenfalls im Eintopf oder exquisit als Carpaccio.

In Uruguay gibt es so gut wie keine Berge, dafür aber viel Küste. Aus diesem Grund können Reisende dort vorzügliche Meeresgerichte genießen. In einem kurzen Praktikum im Restaurant ¨La Huella¨ (derzeit Nr. 22 der Latin America`s 50 Best Restaurants) habe ich einen Einblick in die Küche bekommen und leckersten Tintenfisch und Krebse zubereiten dürfen.

 

Streetfood und typische Getränke

Bekanntes Streetfood ist in Uruguay der Chivito, ein Sandwich mit Rinderlende und in Argentinien die Choripan, eine Chorizo im Brötchen. Nicht zu vergessen die zahlreichen leckeren Empanadas, die meistens aus einem im Ofen gebackenen Weizenteig bestehen und mit unterschiedlichen Füllungen hergestellt werden. Im Norden heißen sie Salteñas. Dort sind sie mit hartgekochten Eiern sowie einer Hackfleisch-Kartoffel-Masse gefüllt. Die Empanadillas de Cayote sind eine Art verzuckerte Empanadas mit einer süßen Kürbisfüllung. Aus der Pâtissiere-Ecke kommen außerdem die Alfajores, Kekse die mit Dulce de leche bestrichen und zusammengesetzt werden. Diese Karamellcreme ist extrem süß und typisch für den gesamten Kontinent. Die Kuchen haben flüssige Karamellkerne und die Gebäcke, Facturas, werden damit verziert. Weitere Süßigkeiten werden mit Quitten- oder Süßkartoffelpaste hergestellt wie z. B. die Pastafrola ein Mürbeteigkuchen.

Kommen wir zu guter Letzt zu den typischen Getränken der beiden Länder. An vorderster Stelle muss  ich hier Mate, das Nationalgetränk nennen – ein Aufgussgetränk aus den Blättern des Matestrauchs. Es wird traditionell aus einer Kalebasse, einem Kürbisgefäß, mit einem Bombilla (Metalltrinkrohr) getrunken. Der Tee ist sehr bitter, wer mag, kann ihn mit Zucker süßen. Anfangs habe ich es als sehr komisch empfunden, ständig Menschen mit ihrer Thermoskanne unter dem Arm und ihrem Matebecher in der Hand herumlaufen zu sehen. Doch irgendwann gewöhnt man sich daran.

Argentinische Weine sind in Deutschland sehr bekannt. Empfehlenswert ist der rote Malbec, und mein Favorit der weiße Torrontés. In Uruguay kennt man den Medio y Medio eine Mischung aus süßem Schaumwein und Weißwein. Als Absacker trinkt man in Uruguay Grappamiel Traubenschnaps mit Honiggeschmack und in Argentinien Fernet Branca. Äußerst beliebt bei jungen Argentiniern ist Fernet gemischt mit Coca-Cola, das In-Getränk auf jeder Party.

 

Next Stop: Chile

 

Über Magdalena Koch

Magdalena Koch, Jahrgang 1988, ist ausgebildete Köchin und Absolventin des Master-Studiengangs Lehramt für berufliche Schulen an der TU München. Zu ihren beruflichen Stationen gehören unter anderem die Residenz Heinz Winkler, zwei Michelin-Restaurants in Spanien und das Restaurant Philipp in Sommerhausen. Seit April 2016 verbringt das VKD-Mitglied mit „Work & Travel“ kochend und reisend Zeit in Südamerika. Darüber berichtet sie auf ihrem Blog.

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